Ab 26. Februar 2026 biete ich gemeinsam mit meiner Kollegin Kathrin Loewe – im Rahmen des Pocket Projects – eine Online-Gruppe, die sich 10x für 2-3 Stunden trifft, um sich mit dem kollektiven Trauma der Zwangsarbeit in Deutschland zu beschäftigen. Hier finden sich weitere Infos und die Anmeldemöglichkeit:

„Zwangsarbeit in Deutschland 1939-1945“ – Erforschen unserer Beteiligung, des vergessenen Leids und heutiger Folgen (Falls es über den Link mit der Anmeldung nicht klappt oder Du Fragen hast zum Lab, bitte einfach bei mir melden.)

Ich bin zum Jahresstart gerade für eine paar Tage in Berlin und habe vorgestern das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Schönweide besucht – und das Foto oben aufgenommen, in einer der Baracken, in der Zwangsarbeiter•innen leben mussten, um in der Nachbarschaft zu arbeiten. Der Starttext der Ausstellung macht auch bereits ein wenig deutlich, warum ich das Thema so relevant und interessant finde:

Niemand konnte in der NS-Zeit in Deutschland leben, ohne ihnen auf Schritt und Tritt zu begegnen: Zwangsarbeiter aus ganz Europa waren allgegenwärtig. Rund 26 Millionen Menschen arbeiteten unfreiwillig, in den besetzten Ländern wie auch im Reichsgebiet: Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge, Juden, Roma, Sinti – und aus aller Herren Länder verschleppte Zivilisten, die in dieser Ausstellung im Mittelpunkt stehen. Allein für die Zivilarbeiter/innen gab es rund 30.000 Lager; fast jede/r Deutsche profitierte von ihrer Ausbeutung, und ohne sie hätte der Krieg sicherlich früher geendet, weil die deutsche Wirtschaft zusammengebrochen wäre.

Oder wie es in einem Ausstellungskatalog zu Zwangsarbeit im Nationalsozialismus heißt:

Selbst im kleinsten Dorf hatte der Anblick von Zwangsarbeitern zum nationalsozialistischen Alltag gehört; kein anderes Verbrechen war auf einer derart breiten gesellschaftlichen Basis begangen worden wie das der Zwangsarbeit.

Von meiner Mutter (geb. 1933) hatte ich immer wieder von Menschen gehört, die auf dem Bauernhof, auf dem sie in einem kleinen Ort in Norddeutschland aufgewachsen war, mitgearbeitet haben – und die, obwohl es nicht erlaubt war, mit am Essenstisch der Familie saßen.

Vor ein paar Jahren bin ich dann wieder an diesen Ort meiner Eltern gefahren und wollte auch dieser Erbschaft meiner Familie auf die Spur kommen. Ich habe begonnen zu recherchieren und Interviews zu führen; ich wollte mehr über die Zwangsarbeiter•innen auf den Höfen meiner Eltern erfahren. Und tatsächlich konnte ich die Namen einiger Menschen herausfinden, was ich als unglaublich sinnerfüllend erlebt habe: Und plötzlich erinnerte sich meine Mutter auch wieder an eine Sonja aus Russland, die bei ihnen einst gearbeitet hatte. Und diesen Namen Sonja bekam viele Jahre später dann auch die erste Tochter des Hofes – welch ein Zufall…

Fünfzig Prozent der Arbeitenden auf Bauerhöfen waren während des 2. Weltkrieges – damals sogenannte – „Fremdarbeiter“. Und auch so große Unternehmen wie die von VARTA oder BMW (die beide mit der Familie Quandt verbunden sind bzw. waren) wären nach dem Krieg nicht so reich geblieben bzw. geworden (wie die 2007 sehr aufrüttelnde Doku mit dem Titel „Das Schweigen der Quandts“ uns zeigt).

Ich frage mich, wie es kommt, dass das Thema Zwangsarbeit, das mit so viel Verbrechen und Leid verbunden war, und quasi so offensichtlich auch Grundlage unseres heutigen Wohlstands in Deutschland ist, nicht mehr Aufmerksamkeit bekommt.

Und ich denke:
Das Unrecht können wir nicht ungeschehen machen,
aber wir können uns der Menschen erinnern, 
die in unserer Familie 
oder unserer Firma
oder in unserem Dorf
gearbeitet und gelitten haben.

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