Heute ist der 1. August 2026. Mein Freund Kelly Bryson wäre 75 Jahre alt geworden – wenn er nicht vor etwas mehr als einem Monat, am 27. Juni gestorben wäre. Leider war es mir die letzten Jahre nicht mehr möglich mit ihm (virtuell) in Kontakt zu sein – seine Parkinson-Krankheit schränkte sein Leben seit einiger Zeit sehr ein.
Ich erinnere mich an so viele intensive Begegungen:Gespräche über Marshall Rosenberg (z.B. über „what did he miss?“ oder seine Herausforderungen mit Geld oder Spiritualität), über Themen wie „loving leadership“ und freie Liebe. In den Jahren 2019-2022 habe ich ihn immer wieder getroffen, habe zwei Workshops in Allensbach für ihn organisiert, und 2019 und 2020 war er jeweils mehrere Tag bei mir in Ravensburg zu Besuch. Was für ein Geschenk die Zeit mit Kelly für mich immer war!
Und: 2020-2022 haben wir regelmäßig per Zoom miteinander gesprochen – und ich habe all diese Gespräche aufgezeichnet, weil wir mal was daraus veröffentlichen wollte. Zuletzt dachten wir an MARSHALL TALES, also an Geschichten, die Kelly über Marshall erinnerte.
Ich möchte seinen heutigen Geburtstag nun als Start nehmen für den Veröffentlichung von einigem Material, dass ich für besonders interessant halte.
Kelly Bryson 1: Wie Marshall ihm seine Liebe zeigte – ist ein ganz kurzer Text . Hier das Original als Tondokument (vom 11.2.2021 – 1 Minute 16 Sekunden) und meine deutsche Übersetzung als Text:
„Marshall war jemand, der wirklich wusste, wie man lebt. Er feierte den ganzen Tag, und dann zog er los und feierte die ganze Nacht. Tagsüber bestand sein Feiern darin, Menschen zu heilen. Mit Empathie und Bewusstheit heilte er Menschen. Und abends lud er dann ein paar Leute auf sein Hotelzimmer ein, oder wo auch immer er gerade abgestiegen war. Er goss einen kleinen Whiskey ein und sagte: ‚So, hier, trink einen Whiskey.“ Und dann war er auch schon dabei, die Leute zu beleidigen. Dann machte er sich über ihre Haare lustig oder über das, was sie im Workshop machten.
— Also wie hat er es geschafft, sich über dich lustig zu machen?
Ach, er sagte so Sachen wie: ‚Und da haben wir Kelly. Er kriegt diese ganze Giraffen-GFK-Sache einfach nicht in den Kopf. Und er, na ja, ich weiß auch nicht. Er ist mir so oft hinterhergelaufen und wollte mir am liebsten alle meine Workshops abluchsen. Ehrlich gesagt, ich glaube, er war auf mehr von meinen Workshops als ich selbst.‘ Und du wusstest: Je mehr er dich beleidigte, desto mehr vertraute er dir. Das war seine Art zu sagen: ‚Ich hab dich lieb.‘ Ein Spiel. Er genoss die Persönlichkeiten und die Gesellschaft der Menschen. Je mehr er dich liebte, desto mehr hat er dich — nun ja — hat er dich aufgezogen.“