„Ein Bedürfnis bedarf mehr der Anerkennung als der Befriedigung.“
(Marshall B. Rosenberg)

Den Kontakt zu Bedürfnissen zu finden ist die wesentliche Übung in der Gewaltfreien Kommunikation. Im Englischen heißt es „meeting needs“ und wird im Deutschen vorwiegend mit „Bedürfnisse erfüllen“ übersetzt. Die Aufmerksamkeit liegt damit vornehmlich auf Lösungen, und auch schnell auf der Ebene der Strategien. Es geht dann nicht mehr vor allem darum, was „ich brauche“, sondern darum was „ich will“. Folgende Übersetzungen von „meeting needs“ zielen in diese Richtung:

• Bedürfnisse befriedigen

• Bedürfnisse sichern

• Bedürfnissen entsprechen

• auf Bedürfnisse zuschneiden

• Bedarf decken

Neben einem solchen Fokus auf Lösungen, gibt es allerdings noch eine weitere Art und Weise mit Bedürfnissen umzugehen. Und diese ist – denke ich wichtig – wenn wir wirklich die Vision der Gewaltfreien Kommunikation, für aller Bedürfnisse zu sorgen, mit Leben erfüllen wollen: „Bedürfnissen begegnen“ ist denn auch eine ebenso wörtliche Übersetzung (der zweiten Bedeutung von „to meet“) und richtet den Fokus auf die Lebenskraft, die den Bedürfnissen innewohnt. „Meeting needs“ ist dann zu übersetzen etwa mit:

• Bedürfnisse wahrnehmen

• Bedürfnissen Rechnung tragen

• auf Bedürfnisse eingehen

• sich Bedürfnissen zuwenden

• Bedürfnisse würdigen

Dies ist ein alternativer Weg mit Bedürfnissen (und zugrundeliegenden Spannungen) umzugehen. Auch wenn es im „außen“ aktuell keine Lösung oder Erfüllung gibt, löst und entspannt sich etwas in uns – wenn wir Empathie erleben. Wir spüren unsere Lebenskraft, unsere Lebendigkeit – kommen in Kontakt mit neuer Kraft und neuen Möglichkeiten. Wenn wir lernen zu verweilen, innezuhalten oder nachzuspüren, erleben wir unsere Lebenskraft stärker. Wer kennt nicht das – zuerst überraschende – Wunder, welches uns widerfahren kann, wenn langsam „im Innen“ Entspannung und Frieden einkehrt – auch wenn sich „im Außen“ (noch) gar nichts geändert hat?

Und ich denke, der tiefe Kontakt zu unserer Lebenskraft eröffnet uns eine neue Welt, eröffnet uns oft neue Wege und Möglichkeiten, individuell und gemeinsam. Dafür brauchen wir jedoch sowohl die Fähigkeit, uns selbst immer wieder empathisch zu begegnen, und noch viel mehr, empathische Unterstützung durch andere. Und meiner Meinung nach zeichnet sich „high quality empathy“ (Otto Scharmer spricht auch von „schöpferischem Zuhören“) besonders gerade dadurch aus, das sie (verweilend) den Fokus auf Lebenskraft hält, und nicht (voreilig) den Fokus auf Lösungen richtet.


Aktuell biete ich übrigens einen Bedürfniszyklus – von September 2018-November 2019.

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