Ein besonderer Text, der inspiriert von GFK-Veranstaltungen in Allensbach vor einiger Zeit (KW 18) von Michael Ganter geboren wurde – nicht nur zum Schmunzeln:

Hypersensibelman

Früher waren meine Helden Colt Seavers, Remington Steele, James Bond und Batman. Jetzt ist ein neuer Held in mein Leben getreten: Hypersensibelman. Er kann einfach alles wahnsinnig kompliziert, kümmert sich noch um die schwächsten Regungen und nimmt feinste Nuancen wahr. Er kämpft mit dem Lärm, den Pollen, Handystrahlen und den kleinen und kleinsten Ungerechtigkeiten des Alltags: schiefe Blicke, schräge Gesten, Vorurteile und falsches Bewußtsein. Er nimmt feinste Schwingungen war. Er hat die Fähigkeit, endlos Zusammenhänge zu spinnen, mikrokleinste Informationen in sein Gewebe zu integrieren. Er hat ein Hypergedächtnis und eine Hyper-Phantasie. Wenn Informationen fehlen, kann er sie erschaffen. Er vergisst nicht, dass er sie erschaffen hat, nein, er weiß das, und er weiß, daß seine Gedanken zum größten Teil Projektionen sind. Er weiß das, seine Gedanken sind ihm transparent. Nichts ist einfach nur irgendwie, obwohl es auch das gibt. Seine Gedankenkraft ist absolut hyper. Er denkt über alles nach – endlos. Er nimmt alles wichtig – unendlich. Er ist hyper-verwundbar. Er ist so ein ganz eigener Typus Held. Seine eigentliche Stärke ist seine Umsicht und seine Verwundbarkeit. Manche sagen, er sei überempfindlich, dabei ist er hyper-empfindsam. Manche sagen, er sei gar kein Held, sondern ein Depp. Hypersensibelman kann schwarz-weiß überwinden. Er ist ein Mann des sowohl-als-auch. Wo andere schnell sind, ist er gründlich. Leistung ist Arbeit durch Zeit. Wo andere Helden den starken Max markieren, hinstehen, vorangehen und die Dinge anpacken, packen Hypersensibelman die Emotionen; er packt seine Waffen ein und zeigt sich von seiner schwachen Seite. Manchmal klagt er auch mit Ach und Wehe und weint. Nicht wenige bemitleiden ihn. Einige beneiden ihn. Ihn! Er kann das verstehen. Er ist nicht nur ein Mann der Superlative; er ist auch ein Mann der Alternative. Wo andere die Lösung suchen, löst Hypersensibelman die Versuchung nach der Lösung auf. Wo andere nach Fakten trachten, nach Kampf und Sieg, betrachtet Hypersensibelman das Darunter-, Dahinterliegende – mit seiner Hyperruhe(ausdauer?). Er ist ein Aushalter, Durchhalter – durch und durch. Kann Superman durch Wände schauen, kann Hypersensibelman durch die Ideen schauen. Er sieht den Glaubenssätzen auf den Grund. Er sieht die Regungen der Seele, das Feinstoffliche. Suchen die anderen den Triumph, findet er die Nische. Er rast nicht im Batmobil durch Gotham-City. Er ruht im All, im Chaos, im Nichts. Wie er das macht? Er ist so! Aber wie andere Hyperhelden braucht auch er ein regulatives Prinzip, damit er dem Wahnsinn nicht anheimfällt. Und dieses Regulativ, das ist ja gerade der Witz…

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